UFO UNO

UFO UNO ist ein interdisziplinäres Kunst-/Forschungsprojekt zum Themenkomplex „Vereinte Nationen“.

Das Projekt  begann um 2003 – also zu einer Zeit, die in Bezug auf die UNO von einer gewissen mutigen Selbstvergewisserung geprägt war. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit der UNO und das Schwanken zwischen Konstitutionalisierung und Instrumentalisierung des Völkerrechts waren große Themen. Der Bedarf an einer demokratischen Weiterentwicklung und Reform der UNO wurde vielfach diskutiert und initiiert. Grundsätzliche Anfechtungen der UNO als ein humanistisch aufgeklärtes liberales Projekt der Verrechtlichung der internationalen Beziehungen begleiten die UNO seit ihrer Gründung.
Heute jedoch ist das universale Projekt der UNO vor allem durch die weltweit zunehmende regressive, populistische, autoritäre Infragestellung der Grundprinzipien von Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit gefährdet wie nie zuvor – auf allen Ebenen. Das ist besonders fatal, da uns die Zeit davon läuft: Die Klimakrise, das Artensterben, die Umweltverschmutzung schreiten rasant voran. Die Sicherung von Frieden und der Schutz unserer aller Lebensgrundlagen ist wesentlich auch eine internationale, eine transnationale politische Herausforderung, und die einzige annähernd inklusive institutionelle Plattform, die wir dafür haben, ist die UNO.
Nach der „Zeitenwende“ (völkerrechtswidriger Angriff Russlands auf die Ukraine 2022) und dem „Epochenbruch“ der Abkehr von Trump-USA von einer regelbasierten Weltordnung (Münchner Sicherheitskonferenz 2025) ist das UFO UNO stark angeschlagen und noch weniger flugtauglich als zuvor. Die derzeit an verschiedenen Orten in NATO-Europa gesichteten unbemannten/unidentifizierten Flugobjekte (Drohnen) stammen nicht vom UNO-Mutterschiff und sind nicht in friedlicher Mission. Der 80. Geburtstag der Vereinten Nationen ist kein glücklicher. Dennoch beharren Manche auf ihre fortbestehende Bedeutung für unsere Zukunft. Sogar neue Chancen für die längst fällige Reform des Sicherheitsrates werden gesehen …  (siehe unten in „Notizen“ zu Martin Kobler).
Derweil müssen angesichts der großen Verbrechen unserer Gegenwart andere völkerrechtliche Instrumente bemüht werden – wie beispielsweise im Rahmen des „Weltrechtsprinzips“ Strukturermittlungen der Generalbundesanwaltschaft gegen das Massaker am 8. und 9. Januar 2026 im Iran: Offener Brief zur Lage im Iran.

Notizen

23., 24., 25. Juni 2026 – Benjamin Lectures von Dipesh Chakrabarty am Haus der Kulturen der Welt.
Ein Vierteljahrhundert nach der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Essays „Provincializing Europe“ wirft Chakrabarty die Frage au, ob die vielfältigen ökologischen Katastrophen, die den Planeten heimsuchen, eine Provinzialisierung der Menschheit selbst erforderlich machen …
„… Die vielfältigen Unsicherheiten, mit denen wir konfrontiert sind – Klimakrise, Zukunft der Arbeit, demografischer Wandel, Verfall demokratischer Institutionen und geopolitische Kriege, die die Rolle der Vereinten Nationen schwinden lassen – führen vielerorts zu der Frage, ob wir das Ende jener internationalen Ordnung erleben, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde. Was in den frühen 1990er Jahren als das neue „goldene Zeitalter“ der Globalisierung gefeiert wurde, ist heute von tiefgreifenden Zukunftsängsten geprägt. (…)
Die Zukunft könnte für Menschen kürzer und zersplitterter sein, als wir sie uns bisher vorgestellt haben; und die globale Suche nach einer nachhaltigen Zukunft wird viel von indigenen Formen der Fürsorge für Land und Biodiversität lernen müssen.
Die mächtigste Nation ist aus den Klimaabkommen ausgestiegen und hat damit die Verantwortung in planetaren Fragen dem Markt und technologischen Lösungen, wie der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) oder dem Geoengineering, überlassen.
Mein dritter Vortrag entwickelt eine Kritik am meiner Meinung nach rein „technischen“ Ansatz zur Bewältigung der Erderwärmung. Ich stelle dar, warum und inwiefern dieser Ansatz derer, die im Weltmaßstab privilegiert sind, als „provinzielle“ Reaktion auf die universelle Herausforderung der Klimaerwärmung bezeichnet werden kann.“

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19.06.2026 – einen Tag nach dem Geburtstag von Jürgen Habermas gibt es eine Gedenkveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche und ein internationales Symposium an der Goethe-Uni:
FRANKFURT. Das Forschungszentrum „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität und der Suhrkamp Verlag laden für den 19. Juni 2026 zu einem internationalen Symposium in Erinnerung an den im März verstorbenen Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas ein. Unter dem Titel „Dass niemand wirklich frei ist, bevor es nicht alle sind“ diskutieren renommierte Wissenschaftler*innen sein Denken und die Zukunft der Kritischen Theorie.
Gegen Ende seines Lebens sah Jürgen Habermas die Demokratie in einer tiefen Krise. Ihre Erosion schreite voran, „seitdem die Politik gegenüber den Märkten mehr oder weniger abgedankt hat“, sagte er in einem seiner letzten Interviews. Angesichts des Rechtsrucks, des technologischen Wandels durch Künstliche Intelligenz und der steigenden sozialen Ungleichheit ist sein Plädoyer für eine auf kommunikativer Vernunft fußende Demokratie heute dringlicher denn je. Was können wir von seinem Denken bezüglich der Frage lernen, wie wir uns gegen aktuelle Angriffe auf die Demokratie und die Menschenwürde wappnen können? Welcher Veränderungen bedürfte es, um seiner Idee der Emanzipation durch kommunikative Vernunft gerecht zu werden? Und wohin steuert die Kritische Theorie nach dem Verlust ihres wichtigsten Denkers?
Das Symposium umfasst zwei Podiumsdiskussionen sowie eine abschließende Keynote. Das erste Panel richtet einen gesellschaftskritischen Blick auf den Aufstieg des Autoritarismus, der Demokratien weltweit bedroht. Darüber diskutieren die Politikwissenschaftler*innen Simone Chambers und Michael Zürn mit dem Historiker Peter Gordon. Das zweite Panel widmet sich der kommunikativen Wende, im Zuge derer Habermas Philosophie und Soziologie auf neue Bahnen gelenkt hat. Über Bedeutung und Wirkung dieses Paradigmenwechsels sprechen die politische Philosophin Seyla Benhabib, der Soziologe Hauke Brunkhorst und die Sozialpsychologin Vera King. Den Abschluss bildet eine Keynote des Sozialphilosophen Axel Honneth. Unter dem Titel „Der normative Eigensinn des Anderen. Habermas im Dialog mit Adorno“ beschäftigt er sich mit der Frage, was das Denken von Habermas und Theodor W. Adorno eint.
Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung von Rainer Forst und Klaus Günther (beide Goethe-Universität) sowie Peter Niesen (Universität Hamburg).

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14.03.2026 – Trauer um Jürgen Habermas.
Dankbarkeit für die Begegnung mit ihm in meinem Studium der Philosophie und Politikwissenschaften an der Goethe-Uni in Fankfurt/M. Sein Denken hat mich geprägt. Die Schrift „Hat die Konstitutionalisierung des Völkerrechts noch eine Chance?“ in „Der gespaltene Westen“ (Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004) war wesentlich für den theoretischen und konzeptionellen Hintergrund für das UFO UNO-Projekt.

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11.11.2025 – Trauer um Micha Brumlik.
Ich bin dankbar für die Begegnungen ab Mitte 1980 in Frankfurt/M. 2005 habe ich ihm meinen Hintergrundtext für das Ausstellungsprojekt UFO UNO „Kunst und starke Öffentlichkeit in Zeiten der Strukturkrise der Vereinten Nationen“ in seiner Sprechstunde vorgestellt. Ich bezog mich darin auch auf seinen Beitrag in „Blätter für deutsche und internationale Politik“ (6’04), in dem er die Möglichkeit der von Habermas geforderten „Selbstaufklärung der liberalen Vernunft“ befragt. Er unterstützte das UFO UNO-Projekt und ermöglichte eine werbende Anzeige in den „Blättern“ (11’06).

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Martin Kobler beharrt auf die Bedeutung der UNO auch im 80. Jahr ihres Bestehens. Er sieht Chancen für die Reform des UN-Sicherheitsrates – im Gespräch auf der Jubiläumsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen am 24.10.25 in Osnabrück  (ab Minute 10). In seinem neuen Buch „Weltenbeben“ (Europa Verlag, München 2025) sieht er neue Chancen für Europa – und für die UNO …

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Adekeye Adebajo zum 80. Geburtstag der Vereinten Nationen: „Do or Die for the United Nations“ (Project Syndicate, 29.09.25).
Professor Adekeye Adebajo is Senior Research Fellow at the Centre for the Advancement of Scholarship (CAS) of the University of Pretoria (UP), South Africa.
2002 hat Adekeye eine Dissertation über Liberia geschrieben: „Liberia’s Civil War. Nigeria, ECOMOG, and Regional Security in West Afrika“ und seither unzählige Bücher veröffentlicht. Seit 2013, nach verschiedenen Begegnungen in Berlin (Afrika-Haus, Haus der Kulturen der Welt …), stehen wir  in Kontakt. Seine Publikationen in The Guardian (Nigeria), The Syndicate Project, und anderen Magazinen über politische Themen Afrika und die UNO betreffend, erhalte ich mit anderen regelmäßig von ihm per E-Mail. Manchmal ergibt sich dann ein kurzer Mail-Austausch …

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Gerhard Baum kurz vor seinem Tod nachdem die Merz-Union am 29.01.25 mit AfD und FDP eine Mehrheit für einen Entschließungsantrag für eine migrationspolitische Verschärfung im Bundestag angestrebt und dann auch erreicht hatte – und nach der Rede des US-amerikanischen Vizepräsidenten J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 14.02.25, in welcher dieser nicht auf die Situation der Ukraine einging, sondern in Deutschland demokratische Defizite wie eine politische Diskriminierung der AfD bemängelt hatte:
«Wir stehen vor einem Epochenbruch! Wir müssen unsere Zukunft neu denken und neu definieren, was künftig Fortschritt sein soll. Wir müssen Ängste bekämpfen, denn Angst ist der hinterhältige Dämon der freien Gesellschaft!»
Eine wehrhafte Demokratie dürfe nicht zulassen, dass eine freiheitliche Verfassung benutzt werde, um diese abzuschaffen. «Wir müssen uns wehren» und erneut beweisen, «dass die Deutschen Demokratie können».
«Die Lage ist ernst», sagte Baum. Freiheitsfeinde versuchten, eine neue Weltordnung durchzusetzen, die die Menschenrechte nicht mehr respektiere. Überall in der Welt drohten Brände. «Die Menschheit entfernt sich von dem hellen Licht der Aufklärung in die Dunkelheit der Despotien.» Längst überwunden geglaubte Debatten brächen wieder auf. Am schlimmsten sei der sorglose Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.
(FAZ, 14.02.25)

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Gregory W. Meeks (Abgeordneter der Demokraten) kurz nach dem Treffen von Selenskyj und Trump im Weissen Haus:
«It is the duality of Trump that he is both a laughingstock and an existential danger. He is both a petulant child that demands displays of loyalty in court, and a tyrant with sympathies for autocrats and dictators, so long as they stroke his ego or enrich him and his family. Trump’s actions today undermined U.S. leadership, emboldened our adversaries, humiliated both himself and his Republican Party, and insulted the generations of Americans who fought and died to build America’s standing in the world.»
(Pressemitteilung von The House Forein Affaires Commitee, 28.02.2025)

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09.08.2024 – Trauer um Kasper König.
1992 unterstützte er meine Aufnahme in die Städelschule, Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt/M (Klasse Thomas Bayrle) und später meinen Meisterschüler-Abschluss. Von 1998 bis 2001 arbeitete ich für ihn als künstlerisch-wissenschaftliche Assistentin. Er unterstützte die Durchführung eines Worshops für das UFO UNO-Projekt in den Kunstwerken in Berlin, das dann aber aufgrund widriger Umständen nicht zustande kam. Sein Blick auf die Kunst hat mich stark geprägt.

Projekte

2022 – Gespräch über ein Pressefoto-Archiv-Projekt zu Liberia während der UN-Mission UNMIL, HKW, Berlin
2020 – autoethnografische lecture performance über UN-Kosmopolitismus, mit Jan Arlt, Oberhausen (s. Foto unten)
1919 – Solidarischer Kosmopolitismus, eine Projektidee vor der Corona-Zäsur
1919 – Vortrag im Rahmen von „Der utopische Raum“, Stiftung Medico International, Frankfurt am Main
2018 – Panel, Ausstellung, Film: „Spotlights on Liberia, 2003-2018“, Afrikahaus, Berlin
2015 – Vortrag „Degrowth, Klimagerechtigkeit und die UN“, Attac-AG Degrowth
2013 – Künstlerischer Beitrag zum NO-Humboldt-Kampagnen-Koffer, „Restitution – cosmopolitan legal order in the making“, HKW, Berlin
2009 – Ausstellungsbeitrag „UNMIL Ballade“, Fotos und Videoclips, mehrere Ausstellungsprojekte, Frankfurt am Main
2008 – Forschungsaufenthalt in Liberia; Präsentation des Dissertationsvorhabens „’Local and National Ownership’ – eine friedenspolitische Norm? UN-Peacekeeping und Selbstbestimmung in Liberia“, Technische Universität Darmstadt
2007 – DGVN-Studienreise nach Liberia, Text über die liberianische Journalisten-Vereinigung in Blickpunkt Liberia (Blaue Reihe Nr. 101)
2006 – Konferenz und Ausstellung: UFO UNO – Vereinte Nationen, Öffentlichkeit und Kunst, Frankurter Kunstverein, Frankfurt am Main
2006 – Buchbesprechung: „Die UNO“ von Klaus Dieter Wolf in Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton, 31.03.2006

Hier geht es zur alten Webseite: UFO UNO-Archiv.

(Foto: Jan Arlt projiziert in seiner Lecture Performance seine Videaoanimation auf das UFO UNO-Plakat von UK, Oberhausen, 2022)